Strukturnu změnu nětko – žane Wochozy II!
Strukturnu změnu nětko – žane Wochozy II! Akciski zwjazk přećiwo planowanej jamje Wochozy II

Milinowód wodźi z brunicy produkowanu milinu do južneje Němskeje a torpeděruje přewrót energije (němsce)


von Pao-Yu Oei (Fachgebiet Wirtschafts- und Infrastrukturpolitik, TU Berlin)

Im Bundesbedarfsplan 2013 wurde eine 450 km lange Stromautobahn (Hoch­spannungs­gleich­strom­übertragungs­leitung, kurz: HGÜ) von Bad Lauchstädt (Raum Halle/Leipzig) nach Meitingen (in der Nähe von Augsburg) vorgeschlagen. Die hierfür angedachte HGÜ-Technologie dient vor allem der verlustarmen Stromübertragung über weite Entfernung, ist jedoch erst ab einer Streckenlänge von 600 km wirtschaftlich gegenüber der herkömmlichen Wechsel­strom­technik. Die 2.000 MW-Leitung soll angeblich der Einspeisung erneuerbarer Energieträger und der Versorgungs­sicherheit in Süddeutschland dienen, führt jedoch durch die Förderung der Braunkohle­verstromung zu einer Abbaggerung ganzer Dörfer und Landstriche.

Bei hoher Windeinspeisung müssen Braunkohle­kraftwerke vermehrt auf Grund von Netzengpässen abgeschaltet werden, da der Strom nicht zu den Bedarfszentren in Süddeutschland abtransportiert werden kann. Auf Grund dieser abnehmenden Auslastung gibt es keinen Bedarf für den Aufschluss der Tagebaufelder Nochten II und Welzow Süd TF II. Zudem werden die Kraftwerke durch das schnelle Hoch- und Runterfahren stärker beansprucht, was ihren Verschleiß erhöht und somit zu höheren Kosten der Betreiber führt. Durch den Bau dieser HGÜ-Trasse soll nun allerdings sichergestellt werden, dass selbst bei starker Windstromeinspeisung konstant hohe Volllaststunden der anliegenden Braunkohle­kraftwerke, mit einer Gesamtkapazität von über 10.000 MW, ermöglicht werden.

Auch das Argument der Versorgungs­sicherheit zur Abfederung des Atomausstiegs kann nicht als Rechtfertigung für die HGÜ herangeführt werden, da die Leitung frühestens Mitte der 2020er Jahre – deutlich nach dem Atomausstieg – zur Verfügung stehen würde. Außerdem gibt es bereits eine gut entwickelte Netzinfrastruktur, welche durch geringfügige Ergänzungen noch leistungsstärker gestaltet werden kann. Hierbei sollte das NOVA-Prinzip (Netzoptimierung, -verstärkung und -ausbau) umgesetzt werden, mit einem stärkeren Fokus auf technischen Innovationen wie dem Leiterseil­monitoring oder der Hochtemperatur­beseilung. Des Weiteren stehen mit den (Gas-)Kraftwerken in Süddeutschland und den Alpenländern (insb. Österreich), Lastmanagement sowie Speicherausbau eine Reihe von alternativen Versorgungs­möglichkeiten zur Verfügung. Selbst wenn die HGÜ-Leitung nicht gebaut wird, ist die Versorgungs­sicherheit Süddeutschlands somit nicht gefährdet.

Bereits nach der ersten Vorstellung des Trassenprojekts regte sich starker politischer und öffentlicher Widerstand entlang der gesamten Stromtrasse. Daraufhin zog der verantwortliche Netzbetreiber Amprion im März seinen Antrag auf Bundesfachplanung, dem nächsten Verfahrensschritt, zurück. In Abstimmung mit der Bundes­netzagentur soll nun eine Überarbeitung des Netzausbauplans erfolgen. Sofern das Angebot ernst gemeint ist, beinhaltet dies einen vollständigen »Zyklus« von Szenariorahmen, Netz­entwicklungs­plänen sowie das darauf aufsetzende zweite Bundesbedarfsplangesetz, welches nicht vor 2017 abgeschlossen werden sein dürfte. Da die Stromleitung nicht für die Versorgungs­sicherheit gebraucht wird, sondern stattdessen die Braunkohle­verstromung fördert, ist sie nicht nur unnötig, sondern untergräbt stattdessen die Ziele der Energiewende in Bezug auf Klimaschutz und Erneuerbare und muss dringend überprüft werden.