Strukturnu změnu nětko – žane Wochozy II!
Strukturnu změnu nětko – žane Wochozy II! Akciski zwjazk přećiwo planowanej jamje Wochozy II

»Přiwšěm, móst trjebamy« (němsce)

Das Interview führte Adrian Rinnert

Mit dem weltweit ersten innerstädtischen Braunkohletagebau in Cottbus Mitte hat die Partei im Mai diesen Jahres Schlagzeilen gemacht. Was ist das für ein Vorhaben und welche Schritte wurden bereits unternommen?

Im Rahmen der geplanten Erweiterung des Blechen-Carrés wurde im vergangenen Herbst ein umfassendes Baugrundgutachten des für die Bebauung vorgesehenen Bereiches erstellt. Dieses Gutachten gibt Grund zur Annahme, dass sich in dem gesamten Bereich der Cottbuser Innenstadt ausgedehnte Braunkohlevorkommen mit einem Abbauvolumen mehr als 3 Mg Braunkohle befinden. Weitere Bodensondierungen haben diesen Verdacht bereits erhärtet. Die geplante Erschließung dieses Tagebaus ist in der Tat weltweit eine Premiere und bietet den Verbrauchern einmalige Vorteile: Neben der Umsiedlung in eine deutlich modernere Siedlungsstruktur werden die Transportwege zum Kunden deutlich verkürzt. Auch verschafft uns eine weitere nachhaltige Nutzung der Braunkohle unsere Unabhängigkeit von ausländischen Energielieferungen. Wer kann denn heute schon sagen, wie lange Russland noch Gas liefert, Norddeutschland günstigen Windstrom und die Baden-Württemberger Sonnenenergie?

Als erste bauliche Maßnahme wurde in den letzten Jahren die Bahnhofstraße ausgebaut. Dies war nötig - und das kann man jetzt ja sagen ohne jemanden zu überraschen, damit die benötigten Maschinen und Bagger besser zum Tagebau transportiert werden können. Nach Abschluss der Arbeiten (vorauss. Mitte 2050) wird das Tagebaurestloch durch direkte Einspeisung der Spree in eine hochwertige innerstädtische Erholungslandschaft verwandelt. Cottbus soll dadurch zugleich zu einem Teil des Kernbereichs des UNESCO Biosphärenreservats „Spreewald“ werden. Nach der Auskohlung der Innenstadt erwartet die Bevölkerung darüber hinaus ein Spaßbad mit Beachanlage, das die Tropical Islands dieser Welt in den Schatten stellt. Leider ist es aber auch unumgänglich, einzelne wenige Wohnblöcke im unmittelbaren Bereich des Tagebaus Cottbus-Mitte 1 abzureißen, um an das Braune Gold der Lausitz zu gelangen. Die von diesem Wohnungsrückbau betroffenen Einwohner, werden vom Träger des Tagebaus natürlich entsprechend entschädigt. Betroffen sind dabei die Bewohner, die im Bereich Bahnhofsstraße – Berliner Straße – Mauerstraße – Karl-Liebknecht-Straße über Wohneigentum verfügen. Alle anderen Bewohner der zu entfernenden Wohngebäude werden zeitnah gebeten, sich selbst eine neue Behausung zu suchen. Die dafür evtl. entstehenden Kosten können leider nicht vom Projektträger übernommen werden.

Die Geschichte der Lausitz ist eine Geschichte der Braunkohlepolitik. Die Nazis führten die Enteignung von Menschen zum Wohle der Allgemeinheit ein, um Lebensraum im Osten zu schaffen. Die DDR zerstörte eine große Zahl sorbischer Dörfer im Dienste des Sozialismus. Die Bundesrepublik schafft nun den Schritt, die ersten Umsiedlungen ganz und gar ohne eine Begründung zu ermöglichen. Sehen Sie hier noch Räume für weitere Innovationen?

Aber sicher doch! Das geht noch besser und mit weniger Reibung als bisher. In der Vergangenheit hat der Staat selbst (so bei dem Nazi und in der Ostzone) das Braune Gold aus der Erde geholt. Spätestens mit der Wiedervereinigung wurde diese Aufgabe von privaten multinationalen Unternehmen übernommen, im Osten von den Schweden, im Westen von RWE. Aber nicht nur, dass die Privaten die Braunkohle an das Tageslicht holen, sie verstromen oder verkaufen sie und schöpfen aus ihrer harten Arbeit auch tüchtig Gewinn. Zurecht wie ich denke, denn Arbeit muss sich lohnen! Nun frage ich Sie, warum soll sich hier der Staat noch weiter einmischen, wenn der gesamte Gewinn eh am Staat vorbei auf den Konten der Privatwirtschaft landet? Daher kann ich für die Lausitz nur sagen, dass Vattenfall sich mal schön selbst um die ganzen Umsiedlungen kümmern soll! Zudem wissen die auch ganz genau, wo und wann es sich am meisten lohnt, die Kohle ans Tageslicht zu holen. Ein Blick auf die Landkarte verrät dann auch, wo vor hunderten Jahren ungünstig gesiedelt wurde. Die Schweden können dann auch schnell handeln, ohne dass sich irgendwelche Planungsbehörden einmischen. Das kostet eh nur Zeit. Und Zeit ist bekanntlich Geld. Und je weniger der ganze Spaß kostet, desto geringer ist am Ende auch der Strompreis! Daher sage ich voraus, dass in Zukunft ganze Landstriche auf einen Schlag an große Unternehmen übergeben werden, damit diese Regionen optimal und ohne Reibereien ausgebeutet werden können. "Umsiedlungen" - das ist übrigens ein sehr hartes Wort, wie ich finde, "Umzüge" gefällt mir schon eher - werden dann innerhalb von wenigen Tagen beschlossen und durchgeführt, so wie es sich für einen Umzug gehört: LKW vorgefahren, alles rein und ab!

Vattenfall betreibt im Lausitzer Braunkohlerevier mit dem DDR Fabrikat der Abraumförder-Brücke F60 die größten fahrbaren Brücken der Welt. Deswegen wird die Braunkohle-verstromung auch allgemein als „Brückentechnologie“ bezeichnet. Sie soll die Energiewende gelingen lassen. Glauben Sie, dass die „Brücken“ dieser Herausforderung gerecht werden können?

Auf einer der letzten Anti-Braunkohle-Demos habe ich diese Hippies "F60 zu WKAs!" rufen hören. Ich frag mich aber, wie das gehen soll. Allen sollte klar sein, dass die F60 sehr unflexibel ist. Für ein Wendemanöver benötigt sie derzeit noch Jahre, wohingegen ein Windrad z.B. 180° Drehungen in eine andere Windrichtung problemlos innerhalb von Sekunden bewältigt. Völlig verschwiegen wird dabei allerdings, dass, ähnlich der CCS-Technologie oder der Zünd- und Stützfeuerung auf Basis von Trockenbraunkohle (TBK), auch hier bereits innovative Lösungen im Gespräch sind. So besteht eventuell die Möglichkeit, die Brücken mit Hilfe von Zugtechniken schnell in ein neue Position zu ziehen. Das funktioniert ungefähr so wie das Treideln von Kähnen, wie man es früher auf der Spree gehandhabt hat. Mit dieser Technologie könnte Vattenfall viel schneller auf neue Abbaugebiete reagieren und z.B. Spremberg Ost oder Bagenz Ost erstmal abbaggern, bevor sie Nochten II in Angriff nehmen, bis man sich dort endlich beruhigt hat. Außerdem, was eignet sich nach endgültiger Auskohlung der Lausitz besser als Mast für ein Windrad, der "Energiequelle" der Zukunft, als die Stahlkonstruktion einer F60? Dennoch, die Brücke brauchen wir.